In meiner Anfrage zum Plenum vom 11.3.26 frage ich die Staatsregierung zu Landesstrategien zur Förderung digitaler Gesundheitskompetenz, zur Zusammenarbeit von Bildung und Gesundheitswesen der Verlässlichkeit digitaler Gesundheitsinformationen.
Förderung digitaler Gesundheitskompetenz
Ich frage die Staatsregierung, ob sie plant, analog zu den Empfehlungen der EU-Institutionen, eine eigene Landesstrategie zur Förderung digitaler Gesundheitskompetenz aufzulegen, die systematisch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen (z. B. ältere Menschen, Jugendliche, Menschen mit geringer digitaler Kompetenz) erreicht, wie stellt die Staatsregierung sicher, dass Maßnahmen zur digitalen Gesundheitskompetenz übergreifend in Kooperation mit Schulen, Erwachsenenbildung und Gesundheitsinstitutionen umgesetzt werden für eine breite und nachhaltige Wirkung und welche Schritte werden entsprechend unternommen, um die Verlässlichkeit digitaler Gesundheitsinformationen sicherzustellen, etwa durch Qualitätssiegel, damit digitale Gesundheitsangebote tatsächlich für eine Recherche zu Gesundheitsthemen genutzt werden können?
Antwort durch das Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention:
Das Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) hat mit dem Masterplan Prävention eine umfassende und ressortübergreifende Strategie für Prävention in Bayern vorgelegt. Dabei wird bewusst ein partizipativer Ansatz verfolgt, denn in die Entwicklung und Umsetzung waren und sind zahlreiche Partner aus staatlichen und nichtstaatlichen Bereichen sowie Bürgerinnen und Bürger eingebunden. Die Vielzahl heterogener Akteure – von öffentlichen Einrichtungen über Verbände und Institutionen bis hin zu zivilgesellschaftlichen Initiativen – trägt dazu bei, unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen einzubringen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Der Masterplan Prävention ist dabei als umfassender Ansatz angelegt, der in einem lebendigen, lernenden Prozess über mehrere Jahre hinweg ressortübergreifend umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt wird. Ziel ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten Prävention dauerhaft zu stärken und die gesundheitlichen Chancen für alle Menschen in Bayern zu verbessern.
Bereits jetzt wurden im Rahmen des Masterplans viele Maßnahmen angestoßen oder umgesetzt, sodass sich Bayern auf einem guten Weg befindet, Prävention und Gesundheitsförderung nachhaltig zu stärken.
Die Förderung der Gesundheitskompetenz bildet darin unter dem Titel „Gesundheitswissen verbessern und zu gesundem Verhalten motivieren“ das erste von zehn gesundheitlichen Zielen.
Gerade die digitale Gesundheitskompetenz spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie befähigt Bürgerinnen und Bürger, Gesundheitsinformationen besser zu finden, zu verstehen und zu bewerten, und ist damit ein wichtiger Baustein für mehr Prävention. Denn sich trotz der großen Menge und Vielfalt an digitalen Gesundheitsinformationen zu orientieren, ist für viele Bürgerinnen und Bürger eine große Herausforderung. Potenziale zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz bestehen über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg.
In der Umsetzung des bayerischen Masterplans Prävention spielt die zielgruppengerechte Aufbereitung und Vermittlung von Gesundheitsinformationen eine große Rolle. Dabei sollen auch unterschiedliche Zielgruppen in Bezug auf Alter, Bildung, kulturelle Hintergründe oder soziale Lebenslagen berücksichtigt werden.
Ein besonderer Fokus liegt auf der verständlichen Darstellung von Gesundheitsinformationen. Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, Gesundheitsinformationen – insbesondere im digitalen Raum – zu finden, zu verstehen, zu bewerten und für eigene Entscheidungen zu nutzen und damit die digitale Gesundheitskompetenz zu stärken. Neben digitalen Informationsangeboten werden auch Formate des direkten Austauschs weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
Zur Weiterentwicklung der Gesundheitskommunikation können auch geeignete Instrumente der Evaluation und des Monitorings eingesetzt werden. Hierzu wird geprüft, inwieweit innovative Analyseansätze, etwa die Auswertung von Social Media-Daten oder Medienberichten, ergänzend genutzt werden können.
Richtet sich der Blick auf die Prävention spezifischer Krankheitsbilder, haben sich OnlinePortale zur Informationsvermittlung bewährt. Ein Beispiel hierfür ist die von Helmholtz Munich und AOK Bayern für die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen sowie Lehrkräfte entwickelte multimediale Gesundheits-Lernplattform „Clever.gesund“ (www.clevergesundinfo.de).
Die Verbesserung der digitalen Gesundheitskompetenz in Bayern wird ressortübergreifend weiter durch unterschiedliche Projekte – etwa den digitalen Wegweiser Gesundheit – umgesetzt. Dies soll weiterentwickelt sowie durch zusätzliche geeignete Maßnahmen ergänzt werden.
Das StMGP stärkt zudem mit dem Projekt „Health Care BY Your Side“ seit dem Jahr 2023 in der TI-Modellregion Franken die digitale Gesundheitskompetenz, indem es die Bürgerinnen und Bürger sowie Gesundheitsfachkräfte gezielt über digitale Anwendungen informiert, schult und praktisch an deren Nutzung heranführt. Hierbei wird sowohl in Gesprächen als auch mit technischen Demonstrationen erklärt, wie z.B. die elektronische Patientenakte, E‑Rezepte und andere digitale Dienste funktionieren und Fragen direkt beantwortet. Über verschiedene Kanäle wird klar und verständlich über Chancen, Nutzen und auch Grenzen der Digitalisierung im Gesundheitswesen informiert. Darüber hinaus erhalten Ärztinnen, Pflegende und weiteres Personal Fortbildungen, damit sie digitale Anwendungen sicher nutzen und Patientinnen und Patienten kompetent begleiten können. Damit fördert das StMGP gezielt die digitalen Fertigkeiten sowohl bei der Bevölkerung als auch beim Gesundheitspersonal, damit alle die Vorteile digitaler Angebote wirklich nutzen können.
Die Antworten finden Sie auch hier zum Download.