Meine Antwort auf die Anträge:

Dringlichkeitsantrag SPD: Eine bayerische ME/CFS-Strategie für bessere Versorgung und mehr Forschung (Drs. 19/11854) und Dringlichkeitsantrag CSU und FREIE WÄHLER: Versorgung von ME/CFS-Patienten verbessern: Verankerung von ME/CFS in der medizinischen Weiterbildung (Drs. 19/11867) und Dringlichkeitsantrag der AfD: Medizinische Versorgung und Unterstützung bei ME/CFS sowie Long- und Post-COVID stärken (Drs. 19/11868)

Andreas Hanna-Krahl (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vizepräsident, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Verzeihen Sie mir nach dieser Show meines Vorredners, dass ich das jetzt doch noch einmal einordnen muss.

(Beifall bei den GRÜNEN, der CSU, den FREIEN WÄHLERN und der SPD)

Wenn eine Fraktion hier in diesem Haus in der größten Pandemie, die wir erlebt haben, alles geleugnet hat, mit Verschwörungstheorien um sich geworfen hat, im Internet die Menschen aufgefordert hat, sich gegen jeden wissenschaftlichen Rat auszusprechen, dann hat diese Fraktion, auch wenn sie jetzt noch aus dem hinterletzten Loch hervorkommt, jedes Recht verloren, sich über die Opfer dieser Pandemie hier heute auszulassen. Jedes Recht haben Sie verloren!

(Beifall bei den GRÜNEN, der CSU, den FREIEN WÄHLERN und der SPD)

Wir reden bei diesen Menschen zum Beispiel über eine 22-jährige Studentin, die vor zwei Jahren vielleicht noch aktiv im Studium war, die einen Plan gehabt hat, was sie in ihrem Leben anfangen will. Heute liegt diese Studentin, die einen Freund gehabt hat, in einem vollkommen abgedunkelten Zimmer, Geräusche tun weh, Licht tut weh. Drei Sätze zu sprechen, kann sie für Tage ans Bett fesseln. Diese junge Frau hat ME/CFS. Diese junge Frau ist nicht allein. Bernhard, du hast von 100.000 Menschen in Bayern gesprochen. Das sind auf Deutschland hochgerechnet 650.000 Menschen, die davon betroffen sind.Wir haben dieses Problem nicht erst seit der Corona-Pandemie. Diese neurologische Krankheit ist seit 1969 von der WHO anerkannt. Seit dieser Zeit ist diese Krankheit in einem toten Winkel der Medizin, der Forschung und des Sozialrechts geblieben. Meine Damen und Herren, Sie wissen, dass ich aus der medizinischen Praxis komme. Ich traue mich, hier voller Schuldeingeständnis zu sagen: Ja, auch ich – auch ich – habe diese Menschen zum Teil nicht ernst genommen. Ich schäme mich heute ausdrücklich dafür. Es ist Zeit, dass wir diese Menschen ernst nehmen. Es ist Zeit, dass wir diese Menschen jenseits von irgendwelchen Stigmatisierungen ernst nehmen und es nicht als psychisches Problem abtun.Wir schaffen das zum einen mit dem Antrag, den wir gestern, lieber Bernhard, im Ausschuss beraten haben, bei dem wir insbesondere die Kinder und Jugendlichen in den Blick nehmen. Wir schaffen das zum anderen auch mit den Anträgen der SPD und der CSU. Deswegen in aller Deutlichkeit: Lasst uns ME/CFS jetzt wirklich in den Blick nehmen. Es muss in die richtige Richtung gehen.

(Beifall bei den GRÜNEN sowie Abgeordneten der SPD)

Zwischenbemerkung:

Andreas Hanna-Krahl (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Zöller, lieber Thomas, du bittest um Zustimmung zu eurem Antrag. Jetzt bin ich sozusagen in der vermeintlich neutralen Position des Nichtantragstellers des SPD-Antrags. Nachdem wir in diesem Bereich ausschließlich über das Wohl und Wehe von schwer erkrankten Menschen reden, wäre es ein Musterbeispiel für eine funktionierende Demokratie und für ein funktionierendes Parlament, gerade weil wir uns einig sind, wenn ich auch an euch appellieren und um Zustimmung zum SPD-Antrag bitten darf. Das wäre ein Zeichen für die Betroffenen.

(Beifall bei den GRÜNEN)

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